Der Bezirksverband für Gartenbau und Landespflege Niederbayern möchte mit der Verleihung der Johann-Evangelist-Fürst-Medaille zum einen herausragende Persönlichkeiten ehren und zum anderen das Lebenswerk des großen niederbayerischen Förderers der Landwirtschaft, Gartenkultur, der Landesverschönerung und des Obstanbaues bekannter machen und dazu beitragen, sein Andenken zu bewahren. Wie Sie sicherlich wissen, wirkte der Zollamtsvorsteher von Straubing in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts zuerst als Autor eines bäuerlichen Aufklärungsromanes, später -als er sich dann selbständig machte – als Herausgeber der „Bauern-Zeitung“, der „Allgemeinen Deutschen Gartenzeitung“ und des „Obstbaumfreundes“. Schließlich gründete er die „Praktische Gartenbaugesellschaft zu Frauendorf“, in der Nähe von Vilshofen, welche später über 5.000 Mitglieder aus verschiedensten sozialen Schichten und Ländern aufwies. Des Weiteren errichtete er in Frauendorf bei Vilshofen eine gigantische Musterökonomie, die zum größten Wirtschaftsfaktor Ostbayerns heranwuchs. Der Betrieb entwickelte sich im Laufe der Zeit zu einem Zentrum der Obst- und Gartenkultur in ganz Deutschland. So bot man beispielsweise im Jahre 1841 über 3000 verschiedene Obstsorten an, darunter über 1400 verschiedene Apfelsorten! Johann Fürst ist uns in seinem Schaffen ein großes Vorbild! Der Bezirksverband Niederbayern verleiht deshalb – in Erinnerung an seine großartige Leistung – an Persönlichkeiten, die in seinem Sinne außergewöhnlich begeisternd, zielstrebig und idealistisch tätig waren, die Johann-Evangelist-Fürst Medaille.

Meine Damen und Herren,
als im Jahre 2008 die Richtlinie zur Verleihung der J.E. Fürst-Medaille ausgearbeitet wurde, war es ein Anliegen, nicht nur Persönlichkeiten für ihr Lebenswerk zu ehren. Herausragende Enthusiasten, die innerhalb eines kürzeren Zeitraumes Überdurchschnittliches geleistet haben – also noch inmitten des Lebens stehen – sollten durchaus auch zur Zielgruppe gehören. Wer den zu Ehrenden kennenlernen durfte, weiß, dass der fürstsche Geist bei ihm stets wehte – sei es als begeisterter Obstliebhaber oder als ernsthafter und erfolgreicher Unternehmer. Eine deiner Wurzeln, lieber Jürgen, ist sicherlich die Imkerei. Obstanbau und Bienenzucht sind zwei Seiten ein und derselben Medaille – sie bedingen sich gegenseitig. Bei dir begann diese Leidenschaft im Jahre 1987, als du die Imkerei von deinem Großvater übernahmst. Um das Bienenhaus hast du folgerichtig deine ersten 25 Obstbäume gepflanzt und in diesem Zusammenhang deinen späteren pomologischen Ziehvater Kreisfachberater Manfred Obst zur Beratung in Anspruch genommen. Auch betreibst du seit 1987 zusammen mit deiner Frau Susanne einen Hofladen mit einem mittlerweile umfangreichen Angebot wie Honig, Bienenwachsprodukte, Imkereibedarf und natürlich Obst, Säfte, Most uvm.
Auch wenn du bereits 1987 den Grundstock für deine Obstliebhaberei gelegt hast, so dauerte es doch noch 8 Jahre bist du 1995 ein 3 Tagwerk großes Grundstück – hier in Einkreut – erwarbst. Darauf wurden 120 Hoch- und 80 Niederstämme gepflanzt, wobei keine Sorte 2 mal vorkam. Dein überwiegendes Interesse gilt den alten Obstsorten, wo du mittlerweile ein sehr tiefes Wissen dir erworben hast. Schon damals (1995) setze dein Ziehvater Kreisfachberater Obst große Hoffnungen in dich- und wurde auch sicherlich nicht enttäuscht: Du wurdest Mitglied beim Arbeitskreis Pomologie des Kreisverbandes Landshut und übernahmst dessen Leitung im Jahre 2000. Seit dieser Zeit engagierst du dich in rausragender Art und Weise für die Belange des Arbeitskreises. Dieser ist weithin als eine innovative und sehr agile Gruppe bekannt. Als aktives Mitglied des AK Pomologie des Bezirkverbandes – dessen Leitung ich inne habe- kenne ich dich seit 1998.

Lieber Jürgen,
Es ist offensichtlich, dass du nicht nur für dich persönlich dem Obstbau frönen möchtest, sondern dein Wissen, deine Erfahrung und deine Begeisterung gerne weitergibst. So dauerte es nicht lange und du warst ein gefragter Sortenbestimmer und Obstexperte, der nach und nach größere Kreise um sich zog. Mittlerweile trifft man dich nicht nur in Niederbayern bei Vorträgen und Obstbestimmungen an. Selbst in Österreich bist du eine geschätzter und bekannter Obstexperte und arbeitest dort mit dem Verein Hortus eng zusammen. Bei uns kennt man dich weithin als Leiter von Schnitt- und Veredlungskursen, sowie als Referent und Berater zu obstbaulichen Themen. Des Weiteren leitest du den AK Mostereibetriebe Landshut und bist 2. Vorsitzender des OGV Neufahrn sowie Beisitzer im Kreisverband Landshut. Diese vielen langjährigen Aktivitäten verlangen ein hohes Maß an Idealismus und Ausdauer – ganz im Sinne von Fürst- der uns dies vor beinahe 200 Jahren vorgelebt hat – indem er trotz vieler Widrigkeiten – dem Obstanbau zu einer unvorstellbaren Blüte verhalf.

Nun aber zurück zum Unternehmer Jürgen Pompe, der wie gesagt, 1995 hier 3 Tagwerk erwarb und 200 Obstbäumen pflanzte : In den folgenden Jahren kauftest oder pachtetest du immer wieder Grundstücke, um sie mit Obstbäumen zu bepflanzen. So kam er insgesamt 9 Tagwerk mit ca. 500 Obstbäumen zusammen. Die größte Investition aber wurde 2003 mit dem Bau der Lohnmosterei getätigt. Diese mutige Entscheidung hatte letztendlich eine große positive Wirkung auf den Obstanbau im ganzen Umkreis. Mit der Möglichkeit, sein Obst zu verwerten und davon eigenen Saft zu erhalten, wurde für viele der Obstanbau wieder interessanter – sei es , weil die Wertschöpfung spürbar höher ist als beim Verkauf als Mostobst – -und –weil der eigen Saft auch beste Qualität verspricht. Seit nunmehr 10 Jahren ist Susannes Lohnmosterei ein Begriff für beste Qualitätsarbeit sowie guten und freundlichen Service.
Dazu kann man euch nur gratulieren. Die Errichtung des darin sich befindenden Schulungsraumes zeigt wieder einmal deinen Idealismus und auch die große Bereitschaft, sein Wissen anderen weitergeben zu wollen. Erwähnt sei dazu, dass hier schon seit Jahren ein Ferienfreizeitprogramm für Kinder angeboten wird. Lieber Jürgen, ich weiß dass es noch einiger Ausführungen bedürfte, um dein Schaffen umfassend darzustellen – etwa die viele Arbeit die du als Gartenpfleger leistest, dein Engagement im AK der niederbayerischen Profiobstanbauer oder im AK Keltereibetriebe, der bayernweit agiert. Ich hoffe aber, mit dem bereits Aufgezeigten, klar herausgestellt zu haben, dass dein erfolgreiches Schaffen – sei es als Unternehmer oder als Ehrenamtlicher- von außergewöhnlichem Idealismus und großem Enthusiasmus getragen ist. Dass dies alles möglich ist , braucht es eine Ehefrau, die solche Aktivitäten nicht nur toleriert, sondern sich auch mit ganzer Kraft dafür einsetzt. Dieses große Glück ist dir offensichtlich beschieden.

Verehrte Anwesende,
der Bezirksverband Niederbayern hat mit der Verleihung der J.E. Fürst-Medaille 2013 an Jürgen Pompe einen wahrlich würdigen Kandidaten erkoren. Der zu Ehrende hat über viele Jahre auf verschiedenste Art und Weise den Obstanbau regional und überregional außergewöhnlich gefördert und somit diese seltene Auszeichnung in höchstem Maße verdient.

Vielen Dank für Ihre geschätzte Aufmerksamkeit

 

Text: Johann Niedernhuber

Foto: Harald Hillebrand