Ende August führte der Arbeitskreis Pomologie des Bezirksverbands Niederbayern zusammen mit Mitgliedern der Kreisvorstandschaften eine Lehrfahrt in die südöstliche Steiermark Nähe Graz durch. Die Organisation und Reiseleitung übernahm Roland Girnghuber, die Ausschreibung wurde von Bezirksgeschäftsführer Hans Niedernhuber ausgeführt. Die Fahrt sollte bewußt „obstlastig“ sein, da die Niederbayerischen Pomologen für das hervorragend organisierte Pomologentreffen im letzten Jahr in Landshut belohnt werden sollten. Besichtigt wurden überwiegend Bio-Obstbaubetrieb, da dies den Bedingungen in den Hausgärten am nächsten kommen. Die Steiermark, das „Grüne Herz Österreichs“, ist bekannt für das hochwertige Obst und die freundlichen bodenständigen Leute.

Nach Aufbruch in den frühen Morgenstunden konnten die Pomologen bereits im Bus fachsimpeln und Erfahrungen austauschen. Um die Mittagszeit stärkte man sich bereits vor den Toren von Graz in Bartolomä in einer Traditionsgaststätte. Anschließend konnte der Versuchsbetrieb für Obst & Weinbau im nahen Haidegg besichtigt werden. Herr Dr. Rühmer, ein sehr junger hochkarätiger Fachmann führte durch die Versuchsanlagen. Neben Unterlagentests werden u.a. auch Versuche zum Nachbau bei Apfel und Birne durchgeführt. Leider ist die Region in diesem Jahr von mehreren Spätfrösten heimgesucht worden, so daß wenig Früchte zu sehen waren. Weiter sprach man über Versuche zu verschiedenen Obstkrankheiten und Schädlinge. Besonderes Augenmerk gilt derzeit der Kirschessigfliege in allen Obstarten. Es wurde festgestellt, daß die Steiermark ein sehr konservatives Obstsortiment hat, jedoch wird dies von den Kunden in In- und Ausland bestimmt. So liefern viele Obstbauern u.a. nach England oder Schweden. Dies konnten die Teilnehmer auch beim Biobetrieb Stix in Kainbach sehen, die zweite Station des Tages. Trotz biologischer Wirtschaftsweise ist der Sortenspiegel beim Apfel eher übersichtlich und ohne neuere resistente Sorten. Trotzdem konnte man sehr schönes Obst und sehr gesunde Bäume sehen. Bei den wenigen Pflanzenschutzmittel, die den Biobauern zur Verfügung stehen, gehört schon viel Erfahrung und Feingefühl dazu, um solch prachtvolles Obst zu erzeugen. Pflanzenstärkungsmittel und Mineralstoffe sind hier ein wichtiger Bestandteil. Auch EM (Effektive Mikroorganismen) werden nach Bedarf eingesetzt.

Viele der Biobauern sind nicht wegen der besseren Preise in den Biosektor gewechselt, sondern aus Überzeugung oder schlechter Erfahrung mit den schädlichen Pflanzenschutzmitteln der konventionellen Anbauverfahren. Einige berichteten von erheblichen gesundheitlichen Beeinträchtigungen und Krankheiten, die aus dieser Wirtschaftsweise folgerten. Der Bedarf an biologisch erzeugtem Obst auf dem Markt ist weiterhin groß. Der Absatz erfolgt über Vereinigungen und auch ab Hof, wie der Betriebsleiter berichtete. In dieser besonderen Höhenlage baut die Familie Styx Äpfel und auch kleinere Mengen von Pfirsichen und Marillen an. Die anschließende Verkostung von frischen und verarbeiteten Produkten mundeten den Gästen des Hofes. Musikalisch umrahmt wurde der Nachmittag unter großem Applaus von den Kindern der Familie. Zum Abend hin wurde das Quartier in Graz bezogen. Beim gemeinsamen Abendmenü konnten die Fachgespräche weitergehen.

In den Morgenstunden des zweiten Tages besuchte die Reisegruppe die Kürbiskernmühle Hartlieb in Heimschuh. Das firmeneigene Museum stellte der Inhaber selbst vor und berichtete von der Familiengeschichte. Nach einigen Kostproben konnten die Besucher eine große Auswahl an hochwertigen Produkte nach Bedarf mit nachhause nehmen. Nächstes Ziel war der Reinischkogel, wo man den Jagawirt Nähe Stainz ansteuerte und die herrliche Aussicht bereits bei der steilen Anfahrt genoß. Der erfahrene Busfahrer kam hier an seine Grenzen, meisterte aber jede Schwierigkeit zur Zufriedenheit aller Mitfahrer. Die Wirtsfamilie Goach hat einen wunderschönen Garten, den sie als Permakultur betreibt, dazu gibt es viele Tiere zu sehen, u.a. eine Vielzahl seltener Schweinerassen, die sich dann auch auf der Speisekarte wieder finden. Gestärkt mit frischer einheimischer Kost fuhr man nach Gleisdorf zum Obsthof der Familie Konrad weiter, die Äpfel, Birnen, Zwetschgen und Aronia anbaut. Auch hier konnten selbst gemachte Produkte verköstigt werden. Besonders die kühlen Säfte und der Most waren bei diesen heißen Temperaturen begehrt. Nun begab man sich in die östliche Steiermark, wo Nähe Fürstenfeld die weit über die Grenzen hinaus bekannte Bioobstbaumschule Deimel ihren Betrieb vorstellte. Neben der Baumschule betreibt man als zweites Standbein auch einen Obstbaubetrieb. Betriebsleiter David Deimel berichtete von den Schwierigkeiten im biologischen Anbau und der konservativen Sortenpolitik der Österreichischen Obstbaubranche. Sein Vater war schon vor Jahren Vorreiter mit vielen neuen Tschechischen Sorten wie Topaz und der „Golden Sunshine Line“, gelbe schorfresistente Abkömmlinge von Topaz, wie Opal. Sirius und Luna. Herr Deimel macht weiterhin viele Versuche mit neuen Nummernsorten aus Tschechien, die besonders für die Pomologen interessant sind. Der Niederbayerische Arbeitskreis Pomologie ist bekannt für seine eigenen Versuche mit neuen Sorten. So kennt man sich auch schon viele Jahre und tauscht sich aus. Der Tag klang mit einem Altstadtbummel rund um den Schloßberg und einem Abendessen mit Steirischen Spezialitäten in Graz aus.

Am frühen Vormittag des letzten Reisetages besuchte man den Bio-Zwetschgenbetrieb Reif im Ilztal, ein weiterer Höhepunkt der Reise. Hier konnte man schwachwüchsige und sehr gesunde Zwetschgenbäume sehen, die mit sehr schönem Obst in großen Mengen behangen waren. Hauptsorte ist hier „Toptaste“ die geschmacklich überzeugte. Aber auch andere Sorten wie die großfrüchtige „Haganta“ konnten verkostet werden. Dieser Zwetschgenhof ist eine Ausnahmeerscheinung in der Biohoflandschaft, da es außerordentlich schwierig ist, biologische Zwetschgen zu erzeugen. So berichtete der Firmeninhaber von vielen Anfragen von Abnehmern, die er nur bedingt bedienen kann. Herr Reif war früher in einer hohen Position in der freien Wirtschaft tätig und ist Quereinsteiger im Obstbau. Diesen Berufswechsel hat er aber nie bereut, obwohl auch er Lehrgeld zahlen mußte. Musikalisch umrahmt von der jungen Tochter des Hauses konnten die Besucher die Produkte aus eigener Herstellung probieren. Auch die Imkerei des Sohnes war ein interessanter Zweig des Betriebs. Als Gastgeschenk konnte man u.a. einen Baum der „Niederbayerischen Hauszwetschge“ überreichen, den sich Herr Reif gewünscht hatte. Vor der Heimreise konnte noch der Betrieb Knaus in Markt Hartmannsdorf besichtigt werden, der Bio-Topaz und Uta-Birnen anbaut, eine Hauptsorte in Österreich. Die Heimreise über das Mostviertel gab viel Stoff für Fachdiskussionen.
Roland Girnghuber, Arbeitskreis Pomologie Niederbayern