Vom Werden der niederbayerischen Obstlandschaft

Symposium zu Obstbau-Pionieren und Landespelzschule im Lehr- und Beispielsbetrieb Deutenkofen  

Der Arbeitskreis Pomologie des Bezirksverbands für Gartenbau und Landespflege lud zu dem Symposium „Vom Werden der niederbayerischen Obstlandschaft“ ein. Über 60 Teilnehmer genossen im  Hörsaal des Lehr- und Beispielsbetriebs Deutenkofen das festliche Ambiente mit zahlreichen historischen Aufnahmen, Originalausgaben klassischer Obstbauliteratur, über hundert verschiedene ausgestellte Apfelsorten sowie Präsentationen zu Johann Evangelist Fürst und der Landespelzschule Landshut.

Bezirksrätin Martina Hammerl hob in ihrem Grußwort die Leistungen des Sachaufwandträgers für Deutenkofen, dem Bezirk Niederbayern, aber auch die tiefe Verbundenheit der Bezirksverwaltung mit der garten- und obstbaulichen Kultur in Niederbayern hervor. Anschließend erläuterte Jürgen Pompe, Träger der Johann-Evangelist-Fürst-Medaille, in anschaulicher Weise  die Entstehungs- und Abstammungsgeschichte unseres heimischen Kulturapfels bis in die Mitte des vergangenen Jahrhunderts. Mittlerweile sei wissenschaftlich bewiesen, dass unsere Apfelsorten überwiegend vom Altaiapfel (Malus sieversii) und vom Kaukasusapfel (Malus orientalis) abstammten und nicht, wie lange angenommen vom sogenannten Holzapfel. Die ersten Primitivformen des Apfels entstanden vor etwa 65 Millionen Jahren, so Pompe. Die Entwicklung der Landespelzschule Landshut und die bis heute sichtbaren Naturdenkmäler im Landshuter Hofgarten schilderte der Pomologe Josef Ammer in seinem Kurzreferat. Die Landespelzschule(pelzen=veredeln; Pelzer= Obstbaum), erstmals im Jahre 1452 urkundlich erwähnt, wurde ins säkularisierte Kloster Weihenstephan überführt und ist somit bis heute  obstbaulich tätig und mit weithin bekannten Züchtungen erfolgreich. Dipl.-Ing (Gartenbau) Hans Niedernhuber, Vorsitzender des Arbeitskreis Pomologie und Hauptorganisator des Symposiums, referierte über die bis heute unerreichten Leistungen des Gartenbaupioniers Johann Evangelist Fürst. Im Jahre 1816 schrieb Fürst, noch in Straubing lebend, einen landwirtschaftlichen und gärtnerischen Aufklärungsroman und löste damit eine Obstbaumeuphorie noch nie dagewesenen Ausmaßes aus. Anschließend gründete er einen bald deutschlandweit bekannten Musterbetrieb in Frauendorf bei Windorf, wo später bis zu 150 Arbeiter beschäftigt waren. Ein schier unvorstellbares Ausmaß erreichte dabei seine Baumschule, wo über 3000 verschiedene Obst-, 600 Rosen- und über 1400 Gehölzsorten kultiviert und in ganz Europa verkauft wurden. Außerdem betätigte er sich erfolgreich als Autor, Verleger und Herausgeber von drei gartenbaulich-landwirtschaftlichen  Fachzeitschriften. Mit unermüdlicher Schaffenskraft  arbeitete er zeitlebens an der Verbesserung der Einkommenssituation der meist verarmten Bauern. Internationalen Ruf aber erhielt er durch die Gründung der „Praktischen Gartenbaugesellschaft in Frauendorf“, der Mitglieder selbst aus Übersee angehörten.
Der Vorsitzende des Bezirksverbands für Gartenbau und Landespflege Niederbayern e.V. Dipl.-Ing (Gartenbau) Michael Weidner hob  die Leistungen des Obstbauwanderlehrers Karl Grill und seines in Landshut ansässigen Vaters August hervor. Dieser, so Weidner sei Gründer und erster Vorsitzender des heutigen Bezirksverbands, der 1898 ins Leben gerufen wurde. Mittlerweile seien an die 74000 Gartenfreunde in den 381 Gartenbauvereinen aktiv. Darüber hinaus wurde August Grill als Autor obstbaulicher Fachliteratur bekannt. Außerdem bildete er seit 1868 Baumwarte aus, die aufgrund ihres profunden Wissens große Anerkennung in der Bevölkerung genossen.

Die Entwicklungsgeschichte von der Baumwartschule über die Niederbayerische Lehr- und Versuchswirtschaft  bis hin zum heutigen weit über die Bezirksgrenzen  hinaus bedeutsamen Lehr- und Beispielsbetriebs Deutenkofen schilderte eindrucksvoll dessen Leiter Hans Göding.  Viele alte Aufnahmen riefen die Erinnerung an die frühere  Hochstammkultur wach. Der Obstbaumeister zeigte aber auch die mittlerweile vielfältigen Anstrengungen und Erfolge  Deutenkofens im Bereich der Brennerausbildung  und die funktionierende Vernetzung mit den anderen Obstbauversuchsstandorten in Deutschland und erklärte den anwesenden Vertretern des Freizeitobstbaus die Bedeutung der Obstregion Nieder- und Oberbayern im Vergleich zu den fränkischen und schwäbischen Erwerbsobstbauern.
Ein Referat über die erfolgreiche obstbaulich- touristische Vernetzung  der  bis zu hundertjährigen Streuobstwiesen mit der Nutzung der Früchte zur biologischen und regionalen Saftherstellung von Maria Gruber aus dem Lallinger Winkel zeigte, wie eine Region ihre obstbaulichen Produkte gewinnbringend vermarken kann. Schon zwischen den Weltkriegen habe man aufgrund der guten Qualität und der enormen Mengen erzeugten Obstes den Ruf des Lallinger Winkels als „Obstschüssel des Bayerischen Waldes“ erhalten. Eine Kurzführung durch den Lehr- und Beispielsbetrieb rundeten den erfolgreichen und informativen Nachmittag ab.

 

Pomologen 2013 115

Die Referenten(v.l.) Hans Göding, Michael Weidner, Hans Niedernhuber, Maria Gruber, Sepp Ammer und Jürgen Pompe

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

(v.l.)Hans Göding (Betriebsleiter Deutenkofen), Bezirksrätin Martina Hammerl, Hans Niedernhuber (Leiter AK Pomologie), Michael Weidner (Vorsitzender des Bezirksverbands), Thomas Schneidawind (Direktor des Agrarbildungszentrums Landshut-Schönbrunn).

(v.l.)Hans Göding (Betriebsleiter Deutenkofen), Bezirksrätin Martina Hammerl, Hans Niedernhuber (Leiter AK Pomologie), Michael Weidner (Vorsitzender des Bezirksverbands), Thomas Schneidawind (Direktor des Agrarbildungszentrums Landshut-Schönbrunn).

 

 

 

 

 

Pomologen 2013 164 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Pomologen 2013 160